Samstag, 21.07.2018 13:43 Uhr

Was tun bei Höhenangst?

Verantwortlicher Autor: Wolfgang Meinert Hamburg, 24.03.2017, 13:50 Uhr
Presse-Ressort von: Wolfgang H.F. Meinert Bericht 5962x gelesen
In der Takelage
In der Takelage  Bild: Ute Niehoff

Hamburg [ENA] Da war sie neulich wieder. Und jetzt hänge ich in der Takelage der Rickmer Rickmers. Der Mastkorb, eher eine Mini-Plattform von einem halben Quadratmeter ist am Mast befestigt – über 30 Meter hoch über den Wellen des Hamburger Hafens. Dort will ich hin: Warum?

Fragen Sie mich nicht, jedenfalls nicht während ich klettere. Schritt für Schritt. Links, rechts – einatmen, links, rechts ausatmen. Nur darauf konzentrieren. Immer weiter hoch, nicht anhalten, nicht nachdenken, nicht nach unten sehen. Wann wird sie stärker, die Angst? Ich vermute, wenn ich hinunter schaue. Erst mal eine kleine Pause, non stop wird zu anstrengend. Kurz innehalten und horizontal in die Weite schauen.

Oh, da hinten, dass ist der Hamburger Michel. Oben schauen dort Leute raus. Die sind die Treppenstufen hoch gestiegen. Mit einer Wand zwischen mir und dem Abgrund würde es gehen, aber hier in den Seilen? Wann kommt sie, die Angst. Ob ich doch mal runterschaue? Nur kurz? Gut. Eine Sekunde, und dann gleich wieder horizontal. Mmh. Das ging. Insofern, dass die Angst nicht größer wurde. Nach 5 weiteren Höhenmetern wieder eine Kurzpause. Jetzt bin ich doch neugierig und schaue runter, und warte auf die Angst. Also ich habe sie ja schon, aber es wErst mal weiter, nicht zu viel Denken. Links, rechts – einatmen, links, rechts ausatmen. Von oben fotografiert mich mein Sohn. Der hat mein Problem nicht.

Ganz schön hoch

Nach 5 weiteren Höhenmetern wieder eine Kurzpause. Jetzt bin ich doch neugierig und schaue runter, und warte auf die Angst. Also ich habe sie ja schon, aber es wird nicht schlimmer. Mmh. Sie lässt sogar ein wenig nach. Also weiter. Aber gleich kommt eine Stelle, da muss man überkopf greifen, um auf die erste Plattform zu gelangen. Oh, nun hänge ich da und weiß nicht wie ich greifen soll. Von unten ruft jemand hoch: „Einfach Kraft in die Beine geben und weiter!“ Geschafft, die erste Plattform. Zwei Drittel des Weges sind geschafft. Also circa 20 Höhenmeter. Nun wird die Strickleiter schmaler, das macht es nicht angenehmer. Aber die Angst scheint nachzulassen. Dann der Gedanke „runter muss ich auch noch“. Den hebe ich mir für später auf.

Ach so, Hinweis für den Leser: Ich bin angeseilt und werde von unten gesichert. Kann also eigentlich nichts passieren. Doch vorhin sah ich jemanden in der Strickleiter stehen, der traute sich nicht mehr vor und auch nicht zurück. Kam erst nach einer ganzen Weile wieder runter. Doch so schlimm ist es bei mir nicht. Kontrollblick nach unten. Nein, das geht sogar recht gut. Nun hoch auf die obere Plattform. Pause und den Ausblick testen. Ja, beeindruckend, doch Genuss geht anders. Nun Fotos machen. Wie heißt das noch mal bei den Matrosen auf den Segelschiffen? Eine Hand für den Mann, die andere Hand für das Schiff. Also immer mit einer Hand festhalten. Höhenangst verschwinde!

Was kann man tun? Ich habe gehört, bei Höhenangst möge man sich ruhig hinsetzen und 20 Minuten in die Tiefe schauen, dann ginge die Angst weg. So lange will ich hier nicht bleiben. Aber die Zeit für das Hochklettern scheint wohl mit zu zählen. Von 10 Angstpunkten hatte ich zu Beginn dieses Segelkletterns so 6-7. Jetzt oben im Mast nach Gewöhnungszeit bin ich bei 2-3 und kann die Aussicht wirklich genießen.

Die Aussicht - Lohn des Mutes
Die Höhenangst im Griff
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